Rede zum IDAHOBIT: Wir haben keine Bitten – wir kämpfen für unsere Befreiung

Rede einer Freiburger Bezugsgruppe von/aus trans und nicht-binären Menschen zusammen mit dem ignite! Kollektiv² auf der IDAHOBIT Kundgebung in Freiburg am 17.05.2021:

 

Heute zum internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Queerfeindlichkeit (IDAHOBIT) interessieren sich plötzlich alle scheinbar für unsere Themen. Ob Weltbank, EU oder die SPD, alle wedeln fleißig mit der Regenbogenfahne.¹

https://publish.barrikade.info/IMG/jpg/idahobit_cc-by-nc-sa_4.0_4.jpg

Da kommt die Frage auf wieso wir uns heute eigentlich treffen wenn doch alle von Staat bis Kapital unsere Verbündeten sind? Wenn wir uns die Politik dieser Institutionen mit ihren Regebogenfahen jedoch an anderen Tagen anschauen, lässt sich das eher beantworten. Die SPD als Teil der Regierung hat das jahrzehntelange Verschieben einer Reform des sogenannten Transsexuellengesetz schon wieder verschoben. Die EU wiederum zieht weiter die Mauern hoch und lässt so auch queere Menschen auf der Flucht ertrinken oder schiebt sie ab. Generell verschärfen kapitalistische Ausbeutung und weltweite Ungleichheit die Diskriminierung und Gewalt gegen Queers überall.

Continue reading Rede zum IDAHOBIT: Wir haben keine Bitten – wir kämpfen für unsere Befreiung

audio recording of our speech at the queer-fem night rave demo on 07.03.20 in Tübingen now online!

Audio:

Als Text:

Schönen Abend euch!

Seit es patriarchale Unterdrückung und Gewalt gibt, hat es auch immer Feministische und Queere Widerstände gegeben. Ob Tomatenwurf in der Studierendenbewegung der BRD, “Stonewall Riots” in New York oder Feministische Revolution bei den Zapatistas in Mexiko und in Rojava – Queere und Feministische Kämpfe waren und sind vielfältig, ergänzen und widersprechen sich, vereint in ihrer Unversöhnlichkeit mit der herrschenden, patriarchalen “Ordnung”. Leider wurden und werden viele von ihnen vergessen – verschwiegen und unsichtbar gemacht im Namen patriarchaler, bürgerlicher Geschichtsschreibung. Aber wir wollen und brauchen Erzählungen, die uns Mut machen, an die wir anknüpfen, an denen wir uns reiben können.

Continue reading audio recording of our speech at the queer-fem night rave demo on 07.03.20 in Tübingen now online!

Kolumne: Gerechtigkeit jenseits von Polizei, Justiz und Gefängnis?

Ansätze Transformativer Gerechtigkeit zum Umgang mit zwischenmenschlicher Gewalt in Gemeinschaften

RabiaTin: Changing the System Beschreibung Bild: Zwei Hände die sich gegenseitig halten durchbrechen eine Kette, die über Zahnräder laufen. Die Zahnräder sind mit verschiedenen Symbolen versehen – einem §, einem € und einem Kreuz

Erstveröffentlicht auf femref.uni-oldenburg.de

Trigger-Warnung: Der folgende Text beschäftigt sich mit Formen zwischenmenschlicher, vor allem sexualisierter Gewalt, und Umgängen damit. Diese Themen können emotional belasten und triggern. Im Zweifel lest den Text nicht oder gemeinsam mit Freund*innen und achtet auf Euch.

Als politisch aktive Feminist*innen haben wir uns in den letzten Jahren in verschiedenen emanzipatorischen Kontexten und Projekten bewegt, deren Selbstverständnisse beinhalteten, antisexistisch, queer_feministisch, selbstorganisiert, autonom, herrschaftskritisch, … zu sein. Linksradikale Räume waren und sind Zufluchtsorte gerade für Menschen, die in der Mehrheitsgesellschaft Marginalisierung, Diskriminierung und Gewalt erlebt haben und erleben – FLINT* Personen, also Frauen, Lesben, Inter-, nicht binäre und trans* Personen, People of Color, Queers, Punks… Aber auch emanzipatorische Räume sind nicht frei von zwischenmenschlicher Gewalt, sondern gesellschaftliche Herrschaftsmechanismen setzen sich in Menschen und Strukturen fort. Dafür gibt es viele Beispiele: Ungleich verteilte Arbeiten, Mackertum auf Aktionen, informelle Ausschlüsse und Ausschlüsse entlang von Machtgefällen, das Geschehen und die Toleranz von sexualisierten Übergriffen bis hin zum (oft jahrelangen) Schutz von gewaltausübenden Personen1 in Polit-Strukturen. Zwischenmenschliche und gerade sexualisierte Gewalt bleiben also auch in „unseren“ Räumen eine Realität, zu der wir uns verhalten müssen. Oft provoziert dies vorstrukturierte Abläufe: Gewalt wird ignoriert, die Suche nach Umgängen verweigert und gewaltausübende Personen geschützt. Oder es herrscht Hilflosigkeit beim Versuch, mit Betroffenen umzugehen und Gewalt wird lediglich zurück gegen einzelne gewaltausübende Personen gerichtet während die Strukturen – der „Szene“ sowie der Gesellschaft -, die zwischenmenschliche Gewalt ermöglichen, völlig unangetastet bleiben. Eine Ausprägung dessen ist der „Strafrechtsfeminismus“, das Hilfesuchen feministischer Akteur*innen beim Rechtsstaat – die Polizei rufen, Anzeige erstatten, vor Gericht gehen, etc.2 Aber Recht schafft keine Gerechtigkeit, und schon gar keine Heilung von Gewalt Betroffener und ihrer Gemeinschaften. Stattdessen bearbeitet die Justiz Fälle von (sexualisierter) Gewalt nicht mehr als Konflikt der beteiligten Akteur*innen, sondern als abstrakten Rechtskonflikt vertreten durch die Staatsanwaltschaft, prüft einzig die Gegebenheit eines Straftatbestands, stellt dabei die „Glaubwürdigkeit“ einzelner Betroffener zur Disposition und erzwingt im Laufe des Strafprozesses immer wieder Konfrontationen mit dem Geschehenen. Zudem impliziert strafrechtsfeministisches Handeln, dass herrschaftliche Gewalt – z.B. rassistisches Polizeihandeln – akzeptiert und emanzipatorische Räume, die eben auch Schutzräume vor staatlichen Zugriffen sein sollen, für solche geöffnet werden, und alle, für die die Polizei nicht „Freund und Helfer“ ist – People of Color, Queers, Drogennutzer*innen, Sexarbeiter*innen, Menschen ohne festen Wohnsitz oder legalen Aufenthaltstitel, kriminalisierte oder von der Polizei traumatisierte Menschen3 – dort nicht (mehr) willkommen sind. Der Rechtsstaat ist selbst eine gewaltvolle, patriarchal-herrschaftliche Institution, welche z.B. Geschlechterherrschaft und-binarität (re-)produziert und zentraler Akteur rassistischer Grenz- und Sicherheitsdiskurse ist. Zur (Wieder-)Herstellung von Recht übt er wiederum Gewalt durch Strafe und einsperrendeInstitutionen aus. Wir sind überzeugt, dass der Rechtsstaat daher kein Partner im Kampf gegen (patriarchale) Gewalt sein kann.

Continue reading Kolumne: Gerechtigkeit jenseits von Polizei, Justiz und Gefängnis?

Back in the streets! First offline workshop since corona, this time outside

Am 07.08.2020 werden wir in Passau (DE) im Rahmen von ZAKK im Freien unseren ersten offline Workshop seit Corona geben. Wir freuen uns schon sehr!

Im Workshop werden verschiedene Aspekte des „Policing“ analysiert und mit den Konzepten Transformative Gerechtigkeit und Community Accountability (Gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme) Alternativen dazu vorgestellt, die von indigenen Gemeinschaften und queeren Communities of Color in Nordamerika entwickelt wurden.

07.08. 20 | Bschütt Park – Passau | 18:00-20:30 Uhr

Veranstaltung findet im Freien und ohne Eintritt statt – bei schlechtem Wetter gibt es einen Ersatztermin: Samstag 08.08.2020.

Online workshops on prison critique and transformative justice: April 23rd and 24th

We think workshops and discussions are important even in this time we can`t meet in person. Therefore, on April 24th, our transformative justive workshop “Justice beyond state, police and prisons” can be done at home here on our blog between 12 and 3 p.m. If possible, grab flatmates and friends and participate in the workshop together. Find the workshop program, audios and tasks that take around three hours to complete here. Between 12 am and 3 pm, we are also there to answer questions via a pad which will also be linked on the blog. From 3 pm, we invite you to discuss the workshop topics in an encrypted call through mumble. We recommend to download Mumble ahead of the workshop. We will let you know the passwords and where on Mumble the discussion room can be found here on our blog shorty before.

To the DIY online workshop (password: Workshop2020Wien)

Pad for questions between noon and 3: https://pad.riseup.net/p/fragenTGworkshop

For folks preferring Tor Browser here is the same pad as an onion service: 
http://kfahv6wfkbezjyg4r6mlhpmieydbebr5vkok5r34ya464gqz6c44bnyd.onion/p/fragenTGworkshop 

We will hold our workshop on prison critique, “Lock up, manage, deter – how prisons work and utopias beyond them” on April 23rd, from 7 to around 9 p.m, live online via the encrypted open source provider mumble. If you can, grab flatmates and friends and participate in the workshop together. We recommend you to download mumble ahead of the workshop. We will let you know where on Mumble you can find the workshop shortly before here on our blog. There will also be an extra pad for small discussions during the workshop and a discussion at the end. The padlink will be published on our blog as well. Find the workshop program, tasks and texts for during the workshop here.

Mumble access:
Server: talk.systemli.org
Port: 64738
Raum: ignite workshop – knastkritik
Passwort: KnastkritikMumbleWorkshop2304!

Pad for the workshop: pad.riseup.net/p/knastkritikworkshop42020

For folks preferring Tor Browser here is the same pad as an onion service: http://kfahv6wfkbezjyg4r6mlhpmieydbebr5vkok5r34ya464gqz6c44bnyd.onion/p/knastkritikworkshop42020

***Unfortunately, we can’t provide a translation of the online workshops. We hope that you can find solutions for direct translation. Please support each other!***