Neues Zine von Awarenetz und ignite zu Transformativer Gerechtigkeit

Endlich ist es soweit! Wir freuen uns sehr euch unser Gemeinschaftsprojekt vorstellen zu können:

Dieses Zine (selbstgemachte Broschüre) entstand in den letzten zwei Jahren als ein Gemeinschaftsprojekt von Awarenetz und dem ignite! Kollektiv, dabei stammen die meisten Texte von Awarenetz. Die Texte sollen ein Diskussionsbeitrag zur Theorie und Praxis rund um Herrschaft, Transformative Gerechtigkeit und Gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme sein. Wir brauchen Antworten auf zwischenmenschliche, insbesondere intime Gewalt in unseren Gemeinschaften. Nutzt die Texte und Wissenssammlungen in diesem Zine als Denkanstösse, praktische Werkzeuge und Grundlage zur Diskussion. Dabei stellen sie aber nur eine momentane Aufnahme in unserer  eigenen Auseinandersetzung dar. Wir diskutieren weiter und  manches wird vielleicht bald schon überholt sein. Daher freuen  wir uns über weitere Diskussionsbeiträge von euch, Feedback und Kritik.
Kontakt zu uns findet ihr auf awarenetz.ch und ignite.blackblogs.org
 
Ihr könnt dir Broschüre als Online-Leseversion oder in verschiedenen auch druckfähigen Formaten auf archive.org anschauen und herunterladen.

Lese-Empfehlung: Berichte aus der TG-Praxis!

– Da Praxis-Erfahrungen schwer verschriftlich zu finden sind, freuen wir uns besonders wenn Gruppen von ihrer praktischen Transformativen Gerechtigkeit (TG) Arbeit berichten. Im folgenden findet ihren einen Text einer TG Gruppe aus Freiburg im Breisgau, der ursprünglich auf barrikade.info veröffentlicht wurde –

Übersicht über die Gruppen-Struktur des TG-Prozesses in Freiburg

(Gemeinschaftliche) Umgänge mit sexualisierter Gewalt: ein Praxisbeispiel

Seit nun schon einem halben Jahr arbeiten wir in Freiburg im Breisgau (DE) Fälle sexualisierter Gewalt auf, welche durch eine gewaltausübende Person verübt wurden. In der letzten Veröffentlichung, welche ihr z.B. im Koraktor von Dezember 2020 oder auch bei barrikade.info (https://barrikade.info/article/3980) nachlesen könnt, sind wir viel darauf eingegangen, warum wir mit Transformativer Gerechtigkeit (TG) arbeiten und was das Konzept dahinter ist. Im nachfolgenden Text möchten wir nun näher beschreiben, wie wir dies konkret umsetzen und mit was für weiteren Fragestellungen und Auseinandersetzungen wir uns bei der Arbeit mit TG konfrontiert sehen. Wir, die Menschen, die diese Arbeit dabei gerade machen, beschreibt dabei etwa ein Dutzend Menschen aus feministischen, emanzipatorischen Kreisen in der Stadt und vor allem den sich überschneidenden Umfeldern von betroffenen Personen und der gewaltausübenden Person. Nach einem ersten Teil zur konkreten Entstehung des TG-Prozesses und der Struktur, stellen wir danach unsere Vorstellung von Definitions- und Handlungsmacht als zwei grundlegende Aspekte unserer Arbeit vor.

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Podcast-Empfehlung “Sicherheit für wen!?” von RDL

Nachdem wir mit einem Interview schon bei der ersten Folge des Podcasts dabei waren (zur Folge geht’s hier), würden wir gerne auch allgemein auf die kommenden wunderbaren Folgen aufmerksam machen. Hört mal rein!


Hier mehr zur Podcast-Reihe:

Institutionalisierte Diskriminierung in der Polizeiarbeit und alternative Ansätze – Eine Podcastreihe

Rechte Chatgruppen in Deutschland, rassistische Polizeigewalt in den USA, die Diskussion um Racial Profiling – fast jede Woche dringen derzeit neue Artikel, Sendungen oder Podiumsdiskussionen an die Öffentlichkeit, welche verschiedene Aspekte der Polizei kritisch beleuchten. Auch wir fragen uns: Was ist Polizei? Wieso ist Polizei? Und was könnte es stattdessen geben?

Für die Podcastreihe “Sicherheit für wen?!” sprechen wir mit Personen, die von Polizeigewalt betroffen sind, fragen bei Intitiativen, und ja, natürlich auch bei der Polizei nach Antworten.

Ab dem 19. Mai läuft jeden dritten Mittwoch des Monats um 20:00 bei Radio Dreyeckland eine Reihe, die einen kritischen Blick auf die Polizei, ihre Struktur, ihr Wirken und schließlich Alternativen zum Status Quo wirft.

In der ersten Folge dreht sich alles um die Ursprünge, also die Historie der Polizei. Hört bei uns mehr zur Geschichte und Hintergründen polizeilicher Arbeit, zu lokalen Gruppen und Einzelpersonen aus Freiburg, die sich mit der Dokumentation und Aufarbeitung von Diskriminierung beschäftigen und Überlegungen zu Reformen und Alternativen.

Unter anderem erwarten euch Inputs zu den Themen
– Polizeihistorie
– Psychologie der Polizei
– Racial Profiling
– Transmisogynie und Sexismus
– Transformative Gerechtigkeit und Awareness

Falls ihr selbst etwas zum Thema beizutragen habt, in lokalen Projekten involviert seid oder Tipps für weitere Quellen und Interviewpartner*innen habt, dann meldet euch hier:
polizeirecherche@rdl.de
PGP-key

 

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Außerdem hier noch der Hinweis auf eine aktuelle Umfrage zu Racial Profiling in Freiburg:

[English] https://www.survio.com/survey/d/C4M0H7R9K2P6Q4H1A
[Deutsch] https://www.survio.com/survey/d/W4P5M6O4F4P5N6M3X

Rede zum IDAHOBIT: Wir haben keine Bitten – wir kämpfen für unsere Befreiung

Rede einer Freiburger Bezugsgruppe von/aus trans und nicht-binären Menschen zusammen mit dem ignite! Kollektiv² auf der IDAHOBIT Kundgebung in Freiburg am 17.05.2021:

 

Heute zum internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Queerfeindlichkeit (IDAHOBIT) interessieren sich plötzlich alle scheinbar für unsere Themen. Ob Weltbank, EU oder die SPD, alle wedeln fleißig mit der Regenbogenfahne.¹

https://publish.barrikade.info/IMG/jpg/idahobit_cc-by-nc-sa_4.0_4.jpg

Da kommt die Frage auf wieso wir uns heute eigentlich treffen wenn doch alle von Staat bis Kapital unsere Verbündeten sind? Wenn wir uns die Politik dieser Institutionen mit ihren Regebogenfahen jedoch an anderen Tagen anschauen, lässt sich das eher beantworten. Die SPD als Teil der Regierung hat das jahrzehntelange Verschieben einer Reform des sogenannten Transsexuellengesetz schon wieder verschoben. Die EU wiederum zieht weiter die Mauern hoch und lässt so auch queere Menschen auf der Flucht ertrinken oder schiebt sie ab. Generell verschärfen kapitalistische Ausbeutung und weltweite Ungleichheit die Diskriminierung und Gewalt gegen Queers überall.

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audio recording of our speech at the queer-fem night rave demo on 07.03.20 in Tübingen now online!

Audio:

Als Text:

Schönen Abend euch!

Seit es patriarchale Unterdrückung und Gewalt gibt, hat es auch immer Feministische und Queere Widerstände gegeben. Ob Tomatenwurf in der Studierendenbewegung der BRD, “Stonewall Riots” in New York oder Feministische Revolution bei den Zapatistas in Mexiko und in Rojava – Queere und Feministische Kämpfe waren und sind vielfältig, ergänzen und widersprechen sich, vereint in ihrer Unversöhnlichkeit mit der herrschenden, patriarchalen “Ordnung”. Leider wurden und werden viele von ihnen vergessen – verschwiegen und unsichtbar gemacht im Namen patriarchaler, bürgerlicher Geschichtsschreibung. Aber wir wollen und brauchen Erzählungen, die uns Mut machen, an die wir anknüpfen, an denen wir uns reiben können.

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Kolumne: Gerechtigkeit jenseits von Polizei, Justiz und Gefängnis?

Ansätze Transformativer Gerechtigkeit zum Umgang mit zwischenmenschlicher Gewalt in Gemeinschaften

RabiaTin: Changing the System Beschreibung Bild: Zwei Hände die sich gegenseitig halten durchbrechen eine Kette, die über Zahnräder laufen. Die Zahnräder sind mit verschiedenen Symbolen versehen – einem §, einem € und einem Kreuz

Erstveröffentlicht auf femref.uni-oldenburg.de

Trigger-Warnung: Der folgende Text beschäftigt sich mit Formen zwischenmenschlicher, vor allem sexualisierter Gewalt, und Umgängen damit. Diese Themen können emotional belasten und triggern. Im Zweifel lest den Text nicht oder gemeinsam mit Freund*innen und achtet auf Euch.

Als politisch aktive Feminist*innen haben wir uns in den letzten Jahren in verschiedenen emanzipatorischen Kontexten und Projekten bewegt, deren Selbstverständnisse beinhalteten, antisexistisch, queer_feministisch, selbstorganisiert, autonom, herrschaftskritisch, … zu sein. Linksradikale Räume waren und sind Zufluchtsorte gerade für Menschen, die in der Mehrheitsgesellschaft Marginalisierung, Diskriminierung und Gewalt erlebt haben und erleben – FLINT* Personen, also Frauen, Lesben, Inter-, nicht binäre und trans* Personen, People of Color, Queers, Punks… Aber auch emanzipatorische Räume sind nicht frei von zwischenmenschlicher Gewalt, sondern gesellschaftliche Herrschaftsmechanismen setzen sich in Menschen und Strukturen fort. Dafür gibt es viele Beispiele: Ungleich verteilte Arbeiten, Mackertum auf Aktionen, informelle Ausschlüsse und Ausschlüsse entlang von Machtgefällen, das Geschehen und die Toleranz von sexualisierten Übergriffen bis hin zum (oft jahrelangen) Schutz von gewaltausübenden Personen1 in Polit-Strukturen. Zwischenmenschliche und gerade sexualisierte Gewalt bleiben also auch in „unseren“ Räumen eine Realität, zu der wir uns verhalten müssen. Oft provoziert dies vorstrukturierte Abläufe: Gewalt wird ignoriert, die Suche nach Umgängen verweigert und gewaltausübende Personen geschützt. Oder es herrscht Hilflosigkeit beim Versuch, mit Betroffenen umzugehen und Gewalt wird lediglich zurück gegen einzelne gewaltausübende Personen gerichtet während die Strukturen – der „Szene“ sowie der Gesellschaft -, die zwischenmenschliche Gewalt ermöglichen, völlig unangetastet bleiben. Eine Ausprägung dessen ist der „Strafrechtsfeminismus“, das Hilfesuchen feministischer Akteur*innen beim Rechtsstaat – die Polizei rufen, Anzeige erstatten, vor Gericht gehen, etc.2 Aber Recht schafft keine Gerechtigkeit, und schon gar keine Heilung von Gewalt Betroffener und ihrer Gemeinschaften. Stattdessen bearbeitet die Justiz Fälle von (sexualisierter) Gewalt nicht mehr als Konflikt der beteiligten Akteur*innen, sondern als abstrakten Rechtskonflikt vertreten durch die Staatsanwaltschaft, prüft einzig die Gegebenheit eines Straftatbestands, stellt dabei die „Glaubwürdigkeit“ einzelner Betroffener zur Disposition und erzwingt im Laufe des Strafprozesses immer wieder Konfrontationen mit dem Geschehenen. Zudem impliziert strafrechtsfeministisches Handeln, dass herrschaftliche Gewalt – z.B. rassistisches Polizeihandeln – akzeptiert und emanzipatorische Räume, die eben auch Schutzräume vor staatlichen Zugriffen sein sollen, für solche geöffnet werden, und alle, für die die Polizei nicht „Freund und Helfer“ ist – People of Color, Queers, Drogennutzer*innen, Sexarbeiter*innen, Menschen ohne festen Wohnsitz oder legalen Aufenthaltstitel, kriminalisierte oder von der Polizei traumatisierte Menschen3 – dort nicht (mehr) willkommen sind. Der Rechtsstaat ist selbst eine gewaltvolle, patriarchal-herrschaftliche Institution, welche z.B. Geschlechterherrschaft und-binarität (re-)produziert und zentraler Akteur rassistischer Grenz- und Sicherheitsdiskurse ist. Zur (Wieder-)Herstellung von Recht übt er wiederum Gewalt durch Strafe und einsperrendeInstitutionen aus. Wir sind überzeugt, dass der Rechtsstaat daher kein Partner im Kampf gegen (patriarchale) Gewalt sein kann.

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